Mimanca

Seit 15 Jahren vergisst Steffi Krohmann ihre eigenen Einkäufe, weil sie den Blick auf dem Boden hat, weil sie in fremden Händen, Körben und Einkaufswagen nach Einkaufszetteln fahndet. Dank der Unterstützung vieler Mitsammler hat sie ein Konvolut von aktuell ca. 2.000 Zetteln angehäuft – die Sammlung wächst beständig weiter. Lucia Palazzari war eine treibende Kraft des Projektes: Nicht nur hatte sie die Hälfte der Zettel beigesteuert; sie war es auch, die den Anstoß dazu gab, aus diesem Zettelwust etwas zu machen. Nun ist es so weit.

Was eigentlich fasziniert uns an diesen Alltagsschnipseln? Jeder kennt sie, fast alle nutzen sie, jedem sind sie vertraut. Begrenzt gültig und nützlich, tragen sie ihre Vergänglichkeit immer in sich. Dass man sie achtlos fortwirft, ist ihr Schicksal. Vielleicht erklärt das auch ihren Reiz: Einmal ihrer Vergänglichkeit entrissen, wachsen sie über ihre reine Funktion und ihren Informationsgehalt hinaus. Sie gewähren willkürlich Einblicke in fremde Leben – und werden zur Projektionsfläche unseres eigenen Alltags.

Jeder einen Zettel!

Mimanca ist nicht nur eine Zettelsammlung – Mimanca ist vor allem auch ein Projekt, das zu einer produktiven Auseinandersetzung mit den Zetteln einlädt. Jeder kann sich einen Zettel auswählen, indem er das gewünschte Exemplar anklickt, das Formular ausfüllt und in der Folgemail bestätigt. Damit ist der Zettel reserviert. Per E-Mail bekommt man ein Bild seines Zettels – und den Auftrag, mit seinem Zettel zu arbeiten. Die Art und Weise der Auseinandersetzung ist nicht vorgegeben: Fotos, Illustrationen, Texte, Musik, Typografie, eine kulinarische Umsetzung … wir sind gespannt, wozu die Zettel inspirieren. Die unterschiedlichen Positionen werden später in einer Ausstellung zusammengeführt und gezeigt, außerdem wird ein Buch dazu erscheinen.